GReenSCape Exkursion 1: Erkundung der städtischen Landwirtschaft in Metro Manila

Das Growing Resilience with Urban Agriculture for Sustainable Cities Projekt (GReenSCape) startete im Juni 2024 mit dem Ziel, die multifunktionalen Vorteile der urbanen Landwirtschaft für Nachhaltigkeit und Resilienz zu untersuchen. Die urbane Landwirtschaft ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt, da Stadtplaner*innen, Unternehmer*innen und Bürger*innen diese nutzen, um Störungen in der globalen Nahrungsmittelversorgung auszugleichen, wie sie beispielsweise durch die Covid-19-Pandemie und den Klimawandel verursacht wurden. Die urbane Landwirtschaft kann den Städten jedoch nicht nur beim Anbau von Nahrungsmitteln helfen. Urbane Landwirtschaft kann auch alternative Einkommensmöglichkeiten bieten, den Zugang zu Grünflächen mit großer Artenvielfalt verbessern und zu einem Kreislauf der Ressourcen beitragen. Um diese vielfältigen Auswirkungen besser zu verstehen und um herauszufinden, wie sie am besten gefördert werden können, untersucht das GReenSCape-Team in Metro Manila auf den Philippinen und in Wien, Österreich, wie die verschiedenen Arten der städtischen Landwirtschaft die Gemeinden und die Umwelt beeinflussen.

BGC Community Farm – Bildnachweis: James Vandenberg, 2024

Zum Start dieser aufregenden Reise, besuchte James Vandenberg, ein Doktorand der Arbeitsgruppe Urban Studies, vom 10. August bis zum 23.  September 2024 Metro Manila. Ziel der ersten Phase des Projekts war es, das Verständnis des Teams dafür zu schärfen, wie sich die urbane Landwirtschaft in Metro Manila entwickelt und auswirkt, ein unterstützendes Netzwerk engagierter Interessenvertreter aufzubauen und mehr über den komplexen und dynamischen Kontext zu erfahren, der den Sektor der urbanen Landwirtschaft in dieser 18-Millionen-Metropole prägt. Quezon City, die bevölkerungsreichste der 16 Städte von Metro Manila, wurde als perfekter Ausgangspunkt gewählt, da die Stadtverwaltung 2012 die Initiative „Joy of Urban Farming“ ins Leben gerufen hat, die sich seit 2021 stark ausgeweitet und zur Gründung von über 1200 Farmen geführt hat.

In den 6 Wochen besuchte James verschiedene Farmen, nahm an Workshops teil, verirrte sich auf lokalen Märkten und sprach mit inspirierenden Menschen, die sich für die urbane Landwirtschaft und den Anbau gesunder, köstlicher Lebensmittel begeistern. Er traf sich mit einer Vielzahl von Akteur*innen, darunter politische Entscheidungsträger des National Urban & Peri-Urban Agriculture Program, des Department of Science & Technology und lokale Bezirksvorstehende sowie Wissenschaftler*innen der University of the Philippines. Er sprach auch mit jugendlichen Befürworter*innen der Nachhaltigkeit, mit Nichtregierungsorganisationen wie der Good Food Community und Food Today, Food Tomorrow sowie mit Landwirt*innen in informellen Siedlungen. Durch diese Gespräche erhielt er Einblicke in die Erfolge und Herausforderungen, die die urbane Landwirtschaft in Metro Manila prägen.

Für das erste Interview besuchte James den leitenden Landwirt der Joy of Urban Farming Initiative, um mehr über die umfangreichen Demonstrationsbetriebe zu erfahren, die aufstrebenden Landwirt*innen in der Stadt das Wissen und die Materialien zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um inmitten der dichtesten Stadt der Welt nahrhafte Lebensmittel anzubauen. Die Demonstrationsfarmen von Quezon City, wie die in Santo Cristo und Batasan Hills, die von der Regierung geleitet und von der Gemeinde unterstützt werden, klären die Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, über Ernährung, die Bedeutung der Entwicklung nachhaltiger Lebensmittelsysteme und über verschiedene Anbautechniken wie Hydrokulturen, Kompostierung, Saatgutauswahl und Pflanzenpflege auf. Von der Verteilung von Anbauprodukten, der Verringerung des städtischen Abfalls und der Wiederverbindung der Menschen mit der Natur bis hin zur Befähigung lokaler Schulen, Kirchen und Gemeindeorganisationen, sinnvolle Veränderungen herbeizuführen, beweisen diese Demonstrationsfarmen, dass die urbane Landwirtschaft ein Tor sein kann, um die Rolle der Lebensmittel und der Landwirtschaft in den Städten neu zu definieren.

Einer der Demonstrationsbetriebe von Santo Cristo, der die Möglichkeiten des Upcyclings von Abfällen zu vielseitigen Anzuchtbehältern und zur Verbesserung der Funktionalität ungenutzter städtischer Flächen veranschaulicht. Bildnachweis: James Vandenberg, 2024
Einer der Demonstrationsbetriebe von Santo Cristo, der die Möglichkeiten des Upcyclings von Abfällen zu vielseitigen Anzuchtbehältern und zur Verbesserung der Funktionalität ungenutzter städtischer Flächen veranschaulicht. Bildnachweis: James Vandenberg, 2024
Der Kompostierungsbereich der Batasan Hills Demonstrationsfarm, wo städtische Landwirte lernen, wie sie städtische Bioabfälle in gesunden Kompost umwandeln können. Bildnachweis: James Vandenberg, 2024
Der Kompostierungsbereich der Batasan Hills Demonstrationsfarm, wo städtische Landwirte lernen, wie sie städtische Bioabfälle in gesunden Kompost umwandeln können. Bildnachweis: James Vandenberg, 2024

Eine weitere inspirierende Erfahrung war der Besuch der umfangreichen Sunnyville Community Model Farm, die städtischen Landwirt*innen ermöglicht, biologisch und abfallfrei anzubauen. Die Farm bietet praktische Schulungen an, damit die Landwirt*innen Erfahrungen mit verschiedenen Anbaumethoden wie Hydro- und Aquaponik sammeln, lernen, ihre eigenen Netzwerke der Kreislaufwirtschaft aufzubauen und kleine Unternehmen zu gründen. Für seine kreative und ganzheitliche Herangehensweise bezüglich der urbanen Landwirtschaft wurde Sunnyville im Jahr 2023 im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs für urbane Landwirtschaft in Quezon City als ‚Innovativste urbane Farm‘ ausgezeichnet. Der Wettbewerb wird veranstaltet, um begeisterte städtische Landwirt*innen zusammenzubringen und faszinierende Wege zu entdecken, wie die urbane Landwirtschaft genutzt wird, um die Lebensqualität der Menschen in der Stadt zu verbessern und biodiverse Grünflächen in den 141 Bezirken der Stadt (wieder) zu integrieren.

Das hydroponische Gewächshaus der Sunnyville Community Model Farm verbraucht bis zu 95 % weniger Wasser als der Bodenanbau, was für die Produktion in der Trockenzeit unerlässlich ist. - Bildnachweis: James Vandenberg, 2024
Das Gewächshaus der Sunnyville Community Model Farm wurde für tropisches Klima gebaut, mit Luftkammern zur Wärmeabgabe und einem sichereren Fundament, um Stürmen standzuhalten - Bildnachweis: James Vandenberg, 2024
Die Sunnyville Community Model Farm recycelt jeden Monat über 10.000 Nespresso-Pads. - Bildnachweis: James Vandenberg 2024

Das Potenzial der urbanen Landwirtschaft, die Stadtplanung und die Entwicklungswerte neu zu gestalten, hat auch auf andere Städte in Metro Manila, wie zum Beispiel auf Fort Bonifacio, übergegriffen. Die BGC Community Farm stellt unsere Vorstellung davon, wie Land in Städten bewertet wird, in Frage, denn sie befindet sich inmitten einiger der teuersten Immobilien in Metro Manila, nur wenige Meter von großen Finanzunternehmen wie JP Morgan Chase und PWC entfernt. Die Farm nutzt diese Gelegenheit, um zu zeigen, wie wichtig es ist, die Landwirtschaft (wieder) in die Stadt zu integrieren, indem sie Räume für Gemeinschaftsveranstaltungen bereitstellt, um der Hitze zu entfliehen oder um den Menschen zu helfen, eine Verbingung mit Lebensmitteln und der Natur herzustellen. Die Landwirt*innen, die sich leidenschaftlich für soziale und ökologische Nachhaltigkeit einsetzen, sind immer bereit, Neuankömmlinge und Gemeindemitglieder auf dem Hof willkommen zu heißen. Sie veranstalten ebenso interessante Workshops und unterstützen ein Programm zur Förderung der Jugend, bei dem Freiwillige ermutigt werden, ihre eigenen Projekte, die die vielen Vorteile der städtischen Landwirtschaft aufzeigen, zu entwickeln und umzusetzen.

BGC Community Model Farm. - Bildnachweis: James Vandenberg, 2024

Die erste GReenSCape-Exkursion bot einen reichhaltigen und inspirierenden Einblick in die Art und Weise, wie die urbane Landwirtschaft die Gemeinden, Landschaften und Visionen für eine nachhaltige Zukunft in Metro Manila umgestaltet. Von staatlich geführten Demonstrationsfarmen bis hin zu innovativen, von der Gemeinschaft getragenen Initiativen zeigt die Vielfalt der Ansätze das Potenzial der städtischen Landwirtschaft auf, die Herausforderungen in den Bereichen Ernährung, Klima und Soziales auf eine integrative und befähigende Weise anzugehen. Diese ersten Erkenntnisse werden das GReenSCape-Team bei der Forschung, wie urbane Landwirtschaft zu widerstandsfähigeren, nachhaltigeren und gerechteren Städten beiträgt, leiten. Im weiteren Verlauf des Projekts werden die in Metro Manila aufgebauten Netzwerke und die dort gewonnenen Erkenntnisse als solide Grundlage für vergleichende Forschung und gemeinsame Aktionen sowohl auf den Philippinen als auch in Österreich dienen.