“People-Centred Smart Cities” im Fokus des World Cities Day 2025

Der diesjährige World Cities Day am 31.10.2025 steht unter dem Motto „People-Centred Smart Cities“. Potenziale sollen aufgezeigt werden, wie datengestützte Entscheidungsfindung, Technologien und Artificial Intelligence dazu beitragen können, das Leben in Städten zu verbessern. Der Fokus liegt auf Smart City – Initiativen, die den Menschen in den Vordergrund stellen und dabei Inklusion und Barrierefreiheit integrieren.

Das USLL nimmt den World Cities Day als Anlass, um „People-Centred Smart Cities” und unsere Position und Arbeit in diesem Kontext zu reflektieren. Wie können transdisziplinäre Forschung und Urban Labs dazu beitragen Städte „menschenzentrierter“ zu gestalten? Und welche Rolle spielen „smarte“ Ansätze dabei?

Der Hintergrund des diesjährigen Mottos

Die Welt ist von urbanen und digitalen Entwicklungstendenzen gekennzeichnet. Der Großteil der Weltbevölkerung lebt in Städten und technologischer Fortschritt verändert alle Aspekte des menschlichen Lebens (UN-Habitat, 2025). Das diesjährige Motto des World Cities Day adressiert das Potential digitaler Technologien und Smart City Strategien für die Gestaltung, Planung, Verwaltung und Steuerung von Städten (United Nations, 2025), um die großen urbanen Herausforderungen zu bewältigen und nachhaltige Entwicklungen zu fördern. Technologischer Fortschritt und Smart City-Strategien laufen jedoch auch Gefahr, die Bedürfnisse der Bewohner*innen nicht adäquat zu berücksichtigen und – neben negativen Umweltauswirkungen – besonders Themen wie die soziale Inklusion vulnerabler Gruppen zu übersehen.

In den Zielsetzungen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit den Sustainable Development Goals (SDGs) wird die Bedeutung partizipativer Prozesse für demokratische Governance und nachhaltige Smart Cities betont. People-centred Smart City Projekte sollten die Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse einer Bandbreite an Stakeholdern von Zivilgesellschaft bis Community-Organisationen als Ausgangs- und Fokuspunkt nehmen (UN-Habitat, 2021). SDG 11 zielt darauf ab Siedlungen „inklusiv, sicher, resilient und nachhaltig“ zu gestalten, sowie eine partizipative, integrierte und nachhaltige Planung zu verbessern (UN-Habitat, 2021).

Demnach erfordert eine nachhaltige Stadtentwicklung, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und technische Innovation mit sozialer Inklusion und Beteiligung zu verbinden, um Smart City Strategien nachhaltig, inklusiv und gemeinwohlorientiert zu gestalten.

Entsprechend hat UN-Habitat im „World Smart Cities Outlook 2024“ Empfehlungen für integrierte Lösungen zur Förderung von people-centred Smart City-Strategien formuliert. Hierbei werden die Rolle und die Stärkung von Beteiligung und Kollaboration im Rahmen von Smart City Strategien hervorgehoben (UN Habitat, 2024).

Auch Karen Laßmann, Leiterin des Bereichs Smart City und Datenmanagement in der Senatskanzlei Berlin und Mitglied der Expert*innengruppe für die Erstellung der Richtlinien für menschenzentrierte Smart Cities betonte in einem Interview: „Die menschenzentrierte Smart City muss mit den in ihr lebenden Menschen gestaltet werden.“ Dabei sollten möglichst viele Akteur*innen, wie lokale zivilgesellschaftliche Organisationen, aber auch die Wirtschaft in die Umsetzung eingebunden werden (Smart City Dialog, o.J.).

Fotos: K. Krellenberg (2025)

Urban Labs und transdisziplinäre Forschung als Beitrag zu People-Centred Smart Cities

Der World Cities Day adressiert, dass Städte in erster Linie Lebensräume für Menschen sind und menschenzentrierte Smart City-Strategien den Menschen in den Fokus technologischer Entwicklungen stellen sollten.

Transdisziplinäre Forschungsansätze und Urban Labs bieten die Möglichkeit, co-produktiv mit Akteur*innen aus Wissenschaft, Stadtverwaltung, Wirtschaft, NGOs und Zivilgesellschaft Lösungsansätze für urbane Herausforderungen zu erarbeiten. Dadurch können gemeinsam Wissen generiert und verschiedene Perspektiven für eine nachhaltige Stadtentwicklung integriert werden. Zentral ist die Kooperation auf Augenhöhe und das gegenseitige Lernen. Somit bieten Transdisziplinarität und Urban Labs auch wichtige Ansätze, um Smart City-Strategien partizipativ, menschenzentriert und nachhaltig zu gestalten.

Unser Urban Sustainability Living Lab (USLL) versteht eine nachhaltige Stadtentwicklung als gemeinsamen und inklusiven Prozess mit Akteur*innen der Stadtgesellschaft vor Ort. Urban Labs und transdisziplinäre Forschung bieten hierbei viele Möglichkeiten, die Menschen in das Zentrum der Prozesse zu stellen und digitale Technologien sinnvoll und effektiv zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zu nutzen.  Im Fokus sollten neue Formen der Teilhabe, Kooperation und Wissensproduktion stehen. Gleichzeitig bieten Urban Labs und deren experimenteller Charakter auch die Möglichkeit, Smart City Strategien kritisch zu diskutieren und Alternativen zu dominanten, technologie-zentrierten Narrativen gemeinsam zu entwickeln.

Perspektiven aus der Forschung zu People-Centred Smart Cities

Anlässlich des World Cities Day 2025 haben wir Kolleg*innen verschiedener Disziplinen um ihre Position zu „People-Centred Smart Cities“ und die Rolle von Transdisziplinarität gebeten. Hier sind ihre Statements:

Florian Koch betont in seiner Forschung zur Sustainable Smart City den Zusammenhang technischer und sozialer Innovation sowie aktuellen urbanen Herausforderungen. An der HTW Berlin wurde zur Erprobung smarter und nachhaltiger Lösungsansätze ein Reallabor eingerichtet, in denen co-kreative und transdisziplinäre Zusammenarbeit von Akteur*innen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft gefördert wird (HTW Berlin, o.J.). Was macht für Florian Koch eine menschenzentrierte Smart-City Strategie aus?

“Smart City Strategien sind menschenzentriert, wenn im Erstellungsprozess die Bevölkerung und andere städtischen Akteure partizipativ mitwirken und somit die Maßnahmen der Strategie sich an den Problemen vor Ort orientieren. Dabei geht es nicht darum, eine perfekte Strategie, die alle gleichermaßen glücklich macht, zu entwerfen, sondern – im Sinne von Richard Sennets‘ offener Stadt – auch Widersprüche, Reibungen und Non-Linearität, d.h. eine menschenzentrierte Perspektive, zuzulassen.” (Florian Koch, 2025)

Jan Bumberger und Thomas Traber forschen u.a. im Projekt AIAMO (Artficial Intelligence And Mobility) zu KI-basierten Umwelt- und Mobilitätsmanagementansätzen, um Mobilität effizienter, ressourcenschonender, sicherer und bedarfsgerecht zu gestalten (AIAMO, o.J.).

“Ein menschenzentrierter Zugang spielt in unserer Forschung eine zentrale Rolle, um sicherzustellen, dass technologische und datenbasierte Lösungen stets an den Bedürfnissen der Stadt und ihrer Bürger*innen ausgerichtet sind. Durch iterative Arbeitskreise und persönliche Treffen werden passgenaue Maßnahmen entwickelt, wie in unserem Fall besonders im Bereich des umweltsensitiven Mobilitätsmanagements, um langfristig zur Erreichung von Klimazielen und einschließlich Public Health beizutragen. Für die weitere Forschung besteht Bedarf, das Bewusstsein und die Akzeptanz für solche Ansätze in der gesamten Stadtbevölkerung zu stärken und Fragen der Skalierbarkeit auf andere Städte zu untersuchen. Konkret streben wir dabei an inwieweit, Urban Digital Twins über rein technische Simulationen hinaus als strategische Werkzeuge für eine integrierte, partizipative und datensouveräne Stadtentwicklung dienen können.” (Jan Bumberger und Thomas Traber, 2025)

Smart-City-Strategien stellen die Bedürfnisse, Werte und Lebensrealitäten der Bürger*innen ins Zentrum. Dafür braucht es Co-Creation-Ansätze, welche die aktive Teilhabe sowie Vertrauen von Bürger*innnen in smarte Technologien stärken. Hierbei stärkt ein ökosystemisches Denken die enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um nachhaltige und ganzheitliche Lösungen zu fördern. Ebenso entscheidend sind Datenschutz und transparente, innovative digitale Angebote, die Vernetzung, Nähe und Inklusion in der Stadtentwicklung stärken.” (Jan Bumberger und Thomas Trabert, 2025)

Harutyun Vermishyan leitet das TSD Lab (Territorial Studies and Development Lab) und positioniert sich wie folgt:

„Für mich ist eine wirklich menschenzentrierte Smart City eine Stadt, in der Technologie als Werkzeug und nicht als Ziel verstanden wird. Es geht darum, das alltägliche Leben zu verbessern, Inklusion zu fördern und Städte mehr auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen als auf Daten oder Unternehmensinteressen abzustimmen. In diesem Fall brauchen Städte eine transparente und ethische Daten-Governance, echte Beteiligungsmöglichkeiten und aktive Arbeit, um digitale Ungleichheiten zu reduzieren.“ (Harutyun Vermishyan, 2025, übersetzt aus dem Englischen)

„In meiner Forschung stehe ich dem Konzept der „Smart City“ eher kritisch gegenüber, da es sich manchmal idealisiert oder sogar künstlich anfühlt, sich sehr auf Systeme, Sensoren und Effizienz fokussiert und nicht auf echte urbane Erfahrungen. Auch den vollständigen „community-driven“ partizipativen Ansatz sehe ich mit einer gewissen Vorsicht: Während die Stimmen der Gemeinschaft essenziell sind, müssen Forschung und Analyse eine kritische Rolle einnehmen, um verschiedene Perspektiven auszugleichen. Für mich liegt „smartness“ darin, diese Balance zu finden, indem man die Erkenntnisse der Gemeinschaft mit einer durchdachten, evidenzbasierten Planung kombiniert.“ (Harutyun Vermishyan, 2025, übersetzt aus dem Englischen)

Im aktuellen Special Issue des Journals Urban Planning – editiert von Florian Koch, Kerstin Krellenberg, Sarah Beyer und Julia Wesely – befassen sich Ilaria Beretta und Caterina Bracchi in einem Artikel mit den Entwicklungen der Smart City Diskurse vis-a-vis Diskursen zur nachhaltigen und klimaneutralen Stadt. Mit dem Special Issue wollen wir anregen, Ansätze wie “people-centred Smart Cities” nicht nur punktuell am World Cities Day, sondern auch mittel- und langfristig in den nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals) bis 2030 und darüber hinaus kritisch zu reflektieren.

AIAMO – Artificial Intelligence And Mobility https://aiamo.de/de

Beretta, I.; Bracchi, C. (2025): Is Climate-Neutral the New Smart und Sustainable City? A review Towards Urban Climate Neutrality. In: Koch, F.; Beyer, S.; Krellenberg, K.; Wesely, J.: Future Urban Sustainability: Lessons Learnt From the SDGs and Perspectives for a Post-2030 Agenda. Urban Planning, Vol 10 (2025)

Sustainable Smart Cities https://sustainable-smart-cities.htw-berlin.de/

Trabert, T., Brockfeld, E., Sohr, A., Krellenberg, K., Bei, X., Dalaff, C., Houben, T., Bumberger, J. (2025), (under review): Urban Digital Twin for Environmentally Sensitive Mobility Planning: Conceptual Framework and Application in pilot region Leipzig. International Journal of Applied Earth Observation and Geoinformation.

TSD Lab https://www.ysu.am/en/grants/725774

UN Habitat (2025): International guidelines on people-centred smart cities https://unhabitat.org/international-guidelines-on-people-centred-smart-cities

United Nations: World Cities Day 31. October https://www.un.org/en/observances/cities-day